Titelbild_Fachkräftezentrum

Fachkräftezentren des Handwerks

Männerberufe? Gibt es nicht. Frauen im Handwerk können alles.

Was tun, wenn dem Handwerk die Fachkräfte ausgehen? Zwei bayerische und zwei niedersächsische Handwerkskammern haben sich zu dem Verbundprojekt "Fachkräftezentren Handwerk" zusammengeschlossen, um dieses Problem in den Griff zu bekommen und Handwerksbetriebe im Bundesgebiet bei der Lösung der Fachkräfteproblematik wirkungsvoll zu unterstützen.

Im Verbundprojekt arbeiten die Handwerkskammern Braunschweig-Lüneburg-Stade, Hannover, München und Oberbayern sowie Niederbayern/Oberpfalz zusammen. In jeder der Projektkammern gibt es ein Fachkräftezentrum Handwerk, das einen Themenschwerpunkt bearbeitet. Unterstützt und begleitet werden sie vom Institut für Technik der Betriebsführung im Handwerk.

 

Ute Wehling

Tel. 0531 1201-211
Fax 0531 1201-215
wehling--at--hwk-bls.de

Gewinnung und Sicherung von weiblichen Fachkräften für das Handwerk

Die Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade legt den Schwerpunkt auf die Gewinnung von Frauen für das Handwerk.

Frauen nehmen trotz hervorragender Qualifikation das Handwerk zu selten als Berufsoption wahr. Die Handwerkskammer kann da eine zentrale Rolle spielen.

Das Fachkräftezentrum hat folgende Ziele:

  • Im Team der Berater und Beraterinnen der Handwerkskammer soll mithilfe des Fachkräftezentrums eine entsprechende Beratungskompetenz auch in Bezug auf die Unterstützungsangebote der Initiative Neue Qualität der Arbeit aufgebaut werden.
  • Gendersensible Berufsdarstellungen sollen mehr weibliche Nachwuchskräfte ansprechen.
  • Frauen sollen frühzeitig informiert werden über die Ausbildung, Beschäftigungsperspektiven sowie Weiterbildungsmöglichkeiten.
  • Damit Ausbildungsverträge nicht vorzeitig aufgelöst werden, sollen entsprechende Maßnahmen erarbeitet werden.
  • Betriebe sollen bei der Personalarbeit in Bezug auf Familienfreundlichkeit unterstützt werden.


"Wir wollen zeigen, dass es auch anders geht"

Die Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade ist Partnerorganisation der Initiative Klischeefrei. Die Initiative macht sich für eine Berufs- und Studienwahl frei von Geschlechterklischees stark. Mit dem Projekt "Fachkräftezentrum Handwerk" soll mit alten Vorurteilen aufgeräumt werden. Im Interview mit Klischeefrei erzählt die Leiterin des Projekts, Ute Wehling, die Hintergründe.

Frau Wehling, stellen Sie doch die Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade bitte kurz vor.

Wir vertreten die Interessen von rund 28.000 Handwerksbetrieben zwischen Cuxhaven und Clausthal-Zellerfeld. Damit sind wir die flächenmäßig größte Handwerkskammer in Deutschland. Ein Schwerpunkt unserer Arbeit ist der ganze Bereich der beruflichen Bildung im Handwerk und damit natürlich auch die handwerkliche Ausbildung. In diesem Rahmen spielt für uns das Thema Berufsorientierung eine wichtige Rolle.

Was hat Sie motoviert, sich in der Initiative zu engagieren?

Das Handwerk ist in weiten Bereichen unverändert männlich. Trotz aller gut gemeinten Projekte und Initiativen der vergangenen Jahrzehnte ist es uns nicht gelungen, diesen Trend zu ändern. Umso wichtiger ist es unserer Ansicht nach, Klischees hinsichtlich der Berufsorientierung aufzubrechen, und zwar nicht nur bei den jungen Menschen, die vor der Berufswahl stehen, sondern gerade auch bei den ausbildenden Betrieben. Unserer Erfahrung nach werden junge Frauen, die sich für eine Ausbildung in einem so genannten typisch männlichen Handwerksberuf interessieren, nämlich vielfach unverändert mit den üblichen Vorurteilen und Klischees ihrer meist männlichen Ausbilder und Kollegen konfrontiert.

Ute Wehling
Schmitz / Handwerkskammer

Auf welche Weise setzen Sie sich für eine geschlechtersensivle Berufs- und Studienorientierung ein?

Wir wollen zeigen, dass es auch anders geht. Wir wollen Betriebe sensibilisieren, bei der Suche nach Fachkräften stärker Frauen ins Visier zu nehmen und als potenzielle Auszubildende in Betracht zu ziehen. Dazu haben wir auch unsere Berater*innen entsprechend geschult und einen entsprechenden Handlungsleitfaden erarbeitet. Wir wollen den Betriebsinhabern zeigen: #frauenkönnenhandwerk. Mit diesem Hashtag wollen wir einen aktiven Austausch initiieren, um vielen Mädchen und Frauen den Weg ins Handwerk zu erleichtern.

Welche Erfolge haben Sie bereits mit Ihrem Engagement erreichen können?

Wir haben eine erfolgreiche Plakat- und Postkartenkampagne realisiert, in der wir junge Frauen zeigen, die sich erfolgreich im Handwerk durchgesetzt haben. Damit demonstrieren wir, dass auch Frauen Handwerk können und alte Rollenbilder nicht mehr standhalten. Ob Frau oder Mann ein Handwerk ausübt ist nicht entscheidend, sondern der Wille und das Können.

Plakatkampagne "Frauen können Handwerk"

Im Rahmen des Projektes wurden Plakate entwickelt, die Aufmerksamkeit auf das Thema lenken sollen. Frauen können Handwerk – auf den Plakaten sind junge Frauen aus der Region zu sehen, die stolz auf ihre verschiedenen Gewerke und die täglichen Leistungen sind. Ziel der Kampagne ist, mehr Frauen und junge Mädchen für einen der 130 Handwerksberufe zu begeistern. Betrieben soll gezeigt werden, dass auch Frauen Handwerk können und alte Rollenbilder nicht mehr standhalten.

Bestellformular für Plakate und Postkarten

Einleitungsbild

Dachdeckerin Rieger-5916
Schmitz / Handwerkskammer

Johanna Sophie Rieger - Dachdeckerin



„Nach meinem Abitur habe ich angefangen technische Produktdesignerin zu lernen. Ich stellte allerdings fest, dass es nicht das Richtige war und versuchte mich umzuorientieren. Mein Vater und meine Brüder sind im Dachdeckerhandwerk tätig, weshalb ich mir überlegte hier anzuknüpfen. Nach zwei Praktika festigte sich meine Entscheidung und ich begann eine Ausbildung als Dachdeckerin. Mittlerweile bin ich absolut zufrieden mit meiner Berufswahl und mein nächstes Ziel ist der Meistertitel.“

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Schmitz / Handwerkskammer

Madeleine Weiss - Feinwerkmechanikerin



„Während meiner Schulzeit habe ich ein dreiwöchiges Schülerpraktikum bei meinem jetzigen Arbeitgeber absolviert. In dieser Zeit habe ich bemerkt, dass mir die Bearbeitung von Metall sehr viel Spaß macht. Die Ausbildung zur Feinwerkmechanikerin war dann die für mich logische Konsequenz. Seit Februar 2020 habe ich ausgelernt und freue mich darauf, nun als Gesellin mit meinen Leistungen zu überzeugen.“

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Schmitz / Handwerkskammer

Ella-Mareike Hansen - Mechatronikerin für Kältetechnik

„Mir war schon sehr früh klar, dass ich mein Berufsleben nicht im Büro verbringen möchte. Durch meine Mutter hatte ich oft Berührungspunkte zum Handwerk, denn sie ist im Fleischerhandwerk tätig. Die Kühlhäuser der Fleischerei haben mein Interesse geweckt. Die Konstruktion, die Funktionsweise und die Wartung der Kühlzellen fand ich spannend. Nach erfolgreicher Bewerbung bei einem Braunschweiger Unternehmen und einem dreitägigen Probearbeiten, habe ich meinen Ausbildungsvertrag bekommen. Erstaunlich fand ich, dass ich die erste weibliche Auszubildende zur Mechatronikerin für Kältetechnik im Bezirk Braunschweig war.“

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Schmitz / Handwerkskammer

Yasmin Schulz - KFZ-Mechatronikerin



„Ich habe meinem Vater schon als Kind sehr oft beim Reifenwechsel geholfen. Als ich meinen Führerschein machte, merkte ich, dass mich Themen rund um das Auto interessieren. Ich wollte verstehen, wie ein Auto funktioniert und entschloss mich eine Ausbildung als KFZ-Mechatronikerin zu machen. Anfang 2020 habe ich meine Gesellinnenprüfung bestanden und darf mich nun KFZ-Mechatronikerin nennen.“

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Schmitz / Handwerkskammer

Lea Krajewski - Metallbauerin



„Für mich stand von Anfang an fest, dass ich nicht ins Büro möchte. Ich wollte etwas mit den Händen machen. Mein Vater hat viel an Motorrädern geschraubt und das hat mich sehr fasziniert. Vor meinem Ausbildungsbeginn habe ich auf der BBS Wolfsburg ein Jahr lang mehrere Berufszweige ausprobiert. Dabei hat mich die Metallbranche positiv überrascht und so machte ich ein zweiwöchiges Praktikum bei einem Stahl- und Metallbauunternehmen. Das Praktikum hat mir sehr viel Spaß gemacht, meine Kollegen waren zufrieden und so kam ich zu meinem Ausbildungsvertrag. In einem halben Jahr werde ich meine Ausbildung abschließen. Ich bekomme von meinem Chef aber schon jetzt die Chance, selbstverantwortlich Aufträge beim Kunden auszuführen. Dieses Vertrauen geschenkt zu bekommen, macht mich stolz.“                    

Die Fachkräftezentren im Überblick:

  • Gewinnung und Sicherung von weiblichen Fachkräften für das Handwerk (Fachkräftezentrum der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade)
  • Beschäftigte im Handwerk und ihre Eigenverantwortung (Fachkräftezentrum der Handwerkskammer Hannover)
  • Gesundheit und Gesunderhaltung im Handwerk (Fachkräftezentrum der Handwerkskammer für München und Oberbayern)
  • Handwerk – grenzenlos erfolgreich (Fachkräftezentrum der Handwerkskammer für Niederbayern/Oberpfalz)


Allgemeine Informationen

Aufgabe der Fachkräftezentren ist es, Qualifizierungs- und Beratungskonzepte sowie zielgruppen- und lebensphasenorientierte Anspracheformate zu entwickeln, zu erproben, zu evaluieren, aufzubereiten und zu dokumentieren, so dass weitere Handwerkskammern diese ebenfalls in ihrem Kammergebiet einsetzen können. Außerdem werden Checks und Handlungshilfen der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) auf ihre Praxistauglichkeit getestet und durch die zielgerichtete Ansprache der Handwerksbetriebe auch dem Wirtschaftsbereich Handwerk näher gebracht.

Mit den Fachkräftezentren Handwerk sollen Handwerksbetriebe wirkungsvoll beim Aufbau ihrer Personalarbeit unterstützt werden. Damit leisten sie einen nachhaltigen Beitrag zur zukunftssicheren Ausrichtung der Unternehmen und tragen zur Erhaltung der Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit der im Handwerk tätigen Menschen bei.

Mehr Infos

 Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA)

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Jahresrückblick 2019

Jahresrückblick 2018





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Im Rahmen der Initiative:

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Fachlich begleitet durch:

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