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Schmitz / Handwerkskammer

Fachkräftezentrum

Männerberufe? Gibt es nicht. Frauen im Handwerk können alles.

Aufräumen mit Mythen und Klischees – das ist der Ansatz der Kampagne #frauenkönnenhandwerk. Mit der Kampagne sollen Betriebe sensibilisiert werden, bei der Suche nach Fachkräften stärker Frauen ins Visier zu nehmen. Zu sehen sind reale junge Frauen aus dem Kammerbezirk, die sich erfolgreich im Handwerk durchgesetzt haben. Auf Plakaten und Postkarten decken sie Dächer oder reparieren Autos und machen mit einem frechen Spruch auf sich und ihre Geschichte aufmerksam. Außerdem wird die Kampagne mit dem Hashtag #frauenkönnenhandwerk in den sozialen Medien getragen, um einen aktiven Austausch zu initiieren und Frauen und Mädchen im Handwerk zu aktivieren, den Hashtag aufzugreifen und die Kampagne zu verbreiten.

Wenn auch Sie unsere Kampagne #frauenkönnenhandwerk unterstützen wollen, können Sie die Plakate und Postkarten kostenfrei hier bestellen  Bestellformular

Plakatkampagne #frauenkönnenhandwerk
Schmitz / Handwerkskammer

 

Ohne mich steigt dir keiner aufs Dach.

Johanna Sophie Rieger - Dachdeckerin

„Nach meinem Abitur habe ich angefangen technische Produktdesignerin zu lernen. Ich stellte allerdings fest, dass es nicht das Richtige war und versuchte mich umzuorientieren. Mein Vater und meine Brüder sind im Dachdeckerhandwerk tätig, weshalb ich mir überlegte hier anzuknüpfen. Nach zwei Praktika festigte sich meine Entscheidung und ich begann eine Ausbildung als Dachdeckerin. Mittlerweile bin ich absolut zufrieden mit meiner Berufswahl und mein nächstes Ziel ist der Meistertitel.“

 

Ohne mich dreht sich gar nichts.

Madeleine Weiss - Feinwerkmechanikerin

„Während meiner Schulzeit habe ich ein dreiwöchiges Schülerpraktikum bei meinem jetzigen Arbeitgeber absolviert. In dieser Zeit habe ich bemerkt, dass mir die Bearbeitung von Metall sehr viel Spaß macht. Die Ausbildung zur Feinwerkmechanikerin war dann die für mich logische Konsequenz. Seit Februar 2020 habe ich ausgelernt und freue mich darauf, nun als Gesellin mit meinen Leistungen zu überzeugen.“

Plakatkampagne #frauenkönnenhandwerk
Schmitz / Handwerkskammer

Plakatkampagne #frauenkönnenhandwerk
Schmitz / Handwerkskammer

 

Ohne mich kommst du ins Schwitzen.

Ella-Mareike Hansen - Mechatronikerin für Kältetechnik

„Mir war schon sehr früh klar, dass ich mein Berufsleben nicht im Büro verbringen möchte. Durch meine Mutter hatte ich oft Berührungspunkte zum Handwerk, denn sie ist im Fleischerhandwerk tätig. Die Kühlhäuser der Fleischerei haben mein Interesse geweckt. Die Konstruktion, die Funktionsweise und die Wartung der Kühlzellen fand ich spannend. Nach erfolgreicher Bewerbung bei einem Braunschweiger Unternehmen und einem dreitägigen Probearbeiten, habe ich meinen Ausbildungsvertrag bekommen. Erstaunlich fand ich, dass ich die erste weibliche Auszubildende zur Mechatronikerin für Kältetechnik im Bezirk Braunschweig war.“

 

Ohne mich fährst du nicht ab.

Yasmin Schulz - KFZ-Mechatronikerin

„Ich habe meinem Vater schon als Kind sehr oft beim Reifenwechsel geholfen. Als ich meinen Führerschein machte, merkte ich, dass mich Themen rund um das Auto interessieren. Ich wollte verstehen, wie ein Auto funktioniert und entschloss mich eine Ausbildung als KFZ-Mechatronikerin zu machen. Anfang 2020 habe ich meine Gesellinnenprüfung bestanden und darf mich nun KFZ-Mechatronikerin nennen.“

Plakatkampagne #frauenkönnenhandwerk
Schmitz / Handwerkskammer

Plakatkampagne #frauenkönnenhandwerk
Schmitz / Handwerkskammer

 

Ohne mich stapelst du tief.

Lea Krajewski - Metallbauerin

„Für mich stand von Anfang an fest, dass ich nicht ins Büro möchte. Ich wollte etwas mit den Händen machen. Mein Vater hat viel an Motorrädern geschraubt und das hat mich sehr fasziniert. Vor meinem Ausbildungsbeginn habe ich auf der BBS Wolfsburg ein Jahr lang mehrere Berufszweige ausprobiert. Dabei hat mich die Metallbranche positiv überrascht und so machte ich ein zweiwöchiges Praktikum bei einem Stahl- und Metallbauunternehmen. Das Praktikum hat mir sehr viel Spaß gemacht, meine Kollegen waren zufrieden und so kam ich zu meinem Ausbildungsvertrag. In einem halben Jahr werde ich meine Ausbildung abschließen. Ich bekomme von meinem Chef aber schon jetzt die Chance, selbstverantwortlich Aufträge beim Kunden auszuführen. Dieses Vertrauen geschenkt zu bekommen, macht mich stolz.“   

"Wir wollen zeigen, dass es auch anders geht"

Die Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade ist Partnerorganisation der Initiative Klischeefrei. Die Initiative macht sich für eine Berufs- und Studienwahl frei von Geschlechterklischees stark. Mit dem Projekt "Fachkräftezentrum Handwerk" soll mit alten Vorurteilen aufgeräumt werden. Im Interview mit Klischeefrei erzählt die Leiterin des Projekts, Ute Wehling, die Hintergründe.

Frau Wehling, stellen Sie doch die Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade bitte kurz vor.

Wir vertreten die Interessen von rund 28.000 Handwerksbetrieben zwischen Cuxhaven und Clausthal-Zellerfeld. Damit sind wir die flächenmäßig größte Handwerkskammer in Deutschland. Ein Schwerpunkt unserer Arbeit ist der ganze Bereich der beruflichen Bildung im Handwerk und damit natürlich auch die handwerkliche Ausbildung. In diesem Rahmen spielt für uns das Thema Berufsorientierung eine wichtige Rolle.

Was hat Sie motoviert, sich in der Initiative zu engagieren?

Das Handwerk ist in weiten Bereichen unverändert männlich. Trotz aller gut gemeinten Projekte und Initiativen der vergangenen Jahrzehnte ist es uns nicht gelungen, diesen Trend zu ändern. Umso wichtiger ist es unserer Ansicht nach, Klischees hinsichtlich der Berufsorientierung aufzubrechen, und zwar nicht nur bei den jungen Menschen, die vor der Berufswahl stehen, sondern gerade auch bei den ausbildenden Betrieben. Unserer Erfahrung nach werden junge Frauen, die sich für eine Ausbildung in einem so genannten typisch männlichen Handwerksberuf interessieren, nämlich vielfach unverändert mit den üblichen Vorurteilen und Klischees ihrer meist männlichen Ausbilder und Kollegen konfrontiert.

Ute Wehling
Schmitz

Auf welche Weise setzen Sie sich für eine geschlechtersensible Berufs- und Studienorientierung ein?

Wir wollen zeigen, dass es auch anders geht. Wir wollen Betriebe sensibilisieren, bei der Suche nach Fachkräften stärker Frauen ins Visier zu nehmen und als potenzielle Auszubildende in Betracht zu ziehen. Dazu haben wir auch unsere Berater*innen entsprechend geschult und einen entsprechenden Handlungsleitfaden erarbeitet. Wir wollen den Betriebsinhabern zeigen: #frauenkönnenhandwerk. Mit diesem Hashtag wollen wir einen aktiven Austausch initiieren, um vielen Mädchen und Frauen den Weg ins Handwerk zu erleichtern.

Welche Erfolge haben Sie bereits mit Ihrem Engagement erreichen können?

Wir haben eine erfolgreiche Plakat- und Postkartenkampagne realisiert, in der wir junge Frauen zeigen, die sich erfolgreich im Handwerk durchgesetzt haben. Damit demonstrieren wir, dass auch Frauen Handwerk können und alte Rollenbilder nicht mehr standhalten. Ob Frau oder Mann ein Handwerk ausübt ist nicht entscheidend, sondern der Wille und das Können.

Mythen und Klischees lassen sich leicht entkräften

  • Der zunehmende maschinelle Einsatz bei der Vorfertigung und Montage macht die Arbeit weniger körperlich anstrengend. Mit dem digitalen Wandel werden die körperlichen Belastungen handwerklicher Berufe geringer.
  • Frauen sind der körperlichen Belastung gewachsen. Das beweisen sie täglich in den Pflegeberufen.
  • Arbeitsleistung- und qualität hängt nicht vom Geschlecht ab, sondern von der individuellen Leistung und Fähigkeit des Mitarbeitenden.

Zitat Yasmin Schulz
Schmitz / Handwerkskammer

Machen Sie die Willkommenskultur für Frauen und Mädchen in Ihrem Betrieb deutlich. Erhöhen Sie die Aufmerksamkeit für Ihre Stellenanzeige in der Sie betonen, dass Sie frauen- und familienfreundliche Personalpolitik und verschiedene Ausbildungs- und Arbeitszeitmodelle praktizieren.
Mit einer möglichen Vorbildfunktion von schon im Betrieb verankerten weiblichen Auszubildenden erhöhen Sie die Chancen dass sich Frauen und Mädchen bei Ihnen bewerben.

Tipps und Anregungen für die richtige Formulierung von Stellenanzeigen bietet die Handlungsempfehlung des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA). Die Checkliste zeigt auf, welche Faktoren wichtig sind und in Ihrer Stellenanzeige nicht fehlen dürfen.

Ella-Mareike Hansen
Schmitz / Handwerkskammer

  • Frauen haben im Durchschnitt bessere Schulabschlüsse.
  • Kritikfähigkeit ist kein Frauenproblem und selbstsicheres Auftreten kann man lernen, jeder wächst mit seinen Aufgaben und Anforderungen.
  • Häufig haben Frauen eine höhere Leistungsbereitschaft und sind motivierter.
  • Frauen beeinflussen das Betriebsklima und die Arbeitsabläufe positiv.

Lea Krajewski
Schmitz / Handwerkskammer

  • Weiterbildungen, Krankheit und Unfall sind Gründe für längere Fehlzeiten die Frauen und Männer gleichermaßen betreffen.
  • Familienplanung und Kinderbetreuung ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe!
  • Elternzeit wird auch zunehmend von Männern wahrgenommen.
  • Familienfreundliche Arbeitgeber haben ein gutes Image und stellen eine große Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt dar. Gleichzeitig erhöhen Sie damit ihre Konkurrenzfähigkeit.

Johanna-Sophie Rieger
Schmitz / Handwerkskammer

  • Der Umgangston verändert sich positiv wenn Frauen im Team sind und er ist umgänglicher.
  • Regelmäßige Mitarbeitergespräche können Konflikte zwischen allen Mitarbeitenden schnell lösen und zeugen von einer gesunden Unternehmenskultur.
  • Gemeinsame Absprachen verhindern Konflikte.
  • Gemischte Teams sind kreativer, kommunikativer und tragen somit zu einem höheren wirtschaftlichen Erfolg ihres Betriebes bei.

Madeleine Weiss
Schmitz / Handwerkskammer

Fachkräftezentren Handwerk

Hintergrund

Was tun, wenn dem Handwerk die Fachkräfte ausgehen? Zwei bayerische und zwei niedersächsische Handwerkskammern haben sich zu dem Verbundprojekt "Fachkräftezentren Handwerk" zusammengeschlossen, um dieses Problem in den Griff zu bekommen und Handwerksbetriebe im Bundesgebiet bei der Lösung der Fachkräfteproblematik wirkungsvoll zu unterstützen.

Im Verbundprojekt arbeiten die Handwerkskammern Braunschweig-Lüneburg-Stade, Hannover, München und Oberbayern sowie Niederbayern/Oberpfalz zusammen. In jeder der Projektkammern gibt es ein Fachkräftezentrum Handwerk, das einen Themenschwerpunkt bearbeitet. Unterstützt und begleitet werden sie vom Institut für Technik der Betriebsführung im Handwerk.

Ansprechpartner

Ute Wehling

Tel. 0531 1201-211
Fax 0531 1201-215
wehling--at--hwk-bls.de

Die Fachkräftezentren im Überblick:

  • Gewinnung und Sicherung von weiblichen Fachkräften für das Handwerk (Fachkräftezentrum der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade)
  • Beschäftigte im Handwerk und ihre Eigenverantwortung (Fachkräftezentrum der Handwerkskammer Hannover)
  • Gesundheit und Gesunderhaltung im Handwerk (Fachkräftezentrum der Handwerkskammer für München und Oberbayern)
  • Handwerk – grenzenlos erfolgreich (Fachkräftezentrum der Handwerkskammer für Niederbayern/Oberpfalz)

hier gehts zum Internetauftritt des Verbundprojekts

Allgemeine Informationen

Aufgabe der Fachkräftezentren ist es, Qualifizierungs- und Beratungskonzepte sowie zielgruppen- und lebensphasenorientierte Anspracheformate zu entwickeln, zu erproben, zu evaluieren, aufzubereiten und zu dokumentieren, so dass weitere Handwerkskammern diese ebenfalls in ihrem Kammergebiet einsetzen können. Außerdem werden Checks und Handlungshilfen der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) auf ihre Praxistauglichkeit getestet und durch die zielgerichtete Ansprache der Handwerksbetriebe auch dem Wirtschaftsbereich Handwerk näher gebracht.

Mit den Fachkräftezentren Handwerk sollen Handwerksbetriebe wirkungsvoll beim Aufbau ihrer Personalarbeit unterstützt werden. Damit leisten sie einen nachhaltigen Beitrag zur zukunftssicheren Ausrichtung der Unternehmen und tragen zur Erhaltung der Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit der im Handwerk tätigen Menschen bei.

Mehr Infos

 Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA)

Download

Jahresrückblick 2019

Jahresrückblick 2018





Logo Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Im Rahmen der Initiative:

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Fachlich begleitet durch:

Logo Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin