Fassadensanierung
Schmitz / Handwerkskammer

Fassadensanierung am Verwaltungssitz Braunschweig

Die Renaissance der Holzkeildolle

Die Handwerkskammer saniert die Fachwerkfassade des von Veltheimschen Hauses am Braunschweiger Hauptverwaltungssitz nach einem genau erstellten Plan, in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde und mithilfe einer Vielzahl erfahrener Handwerksbetriebe. An dem Gebäude sind umfassende Sanierungsarbeiten nötig, damit das Haus in seiner historischen Substanz erhalten und zugleich als Verwaltungssitz der Handwerkskammer weiterfungieren kann.

Die Arbeiten an der Fassade des Gebäudes am Burgplatz dauern voraussichtlich bis Mai 2021. Insgesamt wird die Fassadensanierung etwa eine halbe Million Euro kosten. An der Finanzierung beteiligen sich die Bundesrepublik Deutschland mit 120.000 Euro, das Land Niedersachsen mit 98.875 Euro sowie die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit 90.000 Euro.

Wir informieren an dieser Stelle laufend über Baufortschritte und Arbeiten an der Fassade.



Phase 5: Die Renaissance der Holzkeildolle

Die denkmalschutzgerechte Restaurierung der Holzteile des teilweise aus dem 16. Jahrhundert stammenden Fachwerks erfordert die Anwendung besonderer Techniken. Eine wichtige Reparaturverbindung zwischen dem Bestandsholz und neu eingefügten Teilen ist die ebenfalls aus Holz gefertigte, meistens leicht konisch geformte, gekeilte Dolle – die sogenannte Holzkeildolle. Sie verbindet die Holzteile sicher und beständig und gewährleistet zuverlässig die Funktion von Schwellen und Stützen. Für ihre Anfertigung und fachgerechte Verwendung werden denkmalerfahrene Zimmerleute benötigt. Die Verwendung der Holzkeildolle bei der Instandsetzung des Fachwerks am von Veltheimschen Haus dient auch der Gewinnung von Erkenntnissen für den Einsatz dieser traditionellen Reparaturtechnologie bei historischen Holzstrukturen im Sinne des Denkmalschutzes. 

Konisch zulaufende etwa 30 Zentimeter lange Holzkeildollen
Holzkeildollen, angespitzt mit dazugehörigen Keilen zum Befestigen
Bestandsholz im Fachwerk wird mithilfe von Holzkeildollen neu befestigt
Mit Holzkeildollen reparierte Schwelle und Stütze zum Burgplatz hin
Schwellenteilreparatur mithilfe von Holzkeildollen
Großes Schwellstück an der inneren Tordurchfahrt mit Holzkeildollen instandgesetzt
Das fertig mit Holzkeildollen reparierte Fachwerkstück
Ein Neuer Dachbalkenkopf mit Holzkeildollen befestigt

Phase 4: Gute Fortschritte und neue Erkenntnisse

Im Oktober konnten die Instandsetzungsarbeiten des Fachwerks im Erdgeschoss bis zur „Utlucht“ hin abgeschlossen werden. Es hat sich jedoch gezeigt, dass die Restaurierung insgesamt komplexer ist als angenommen, denn es ergeben sich fast täglich neue Befunde und damit auch Schwierigkeiten. So sind etwa die Schwellen und Stützen des Dachstuhls, der an das Landesmuseum grenzt, deutlich schwerer von Holzkernfäule befallen als ursprünglich angenommen. Bei der Freilegung von Gefachen tauchen zum Teil in Vergessenheit geratene Versorgungsleitungen oder Kabel mit ungeklärter Funktion auf. Bei der Abnahme der Sichtbohlen von den Schwellen der Außenfassade gab es ebenfalls Überraschungen: Sie waren bei einer früheren Renovierung nur mit PU-Leim verklebt worden, der jetzt erst einmal aufwändig entfernt werden muss, bevor eine fachgerechte Befestigung erfolgen kann. Darüber hinaus sind mehrere Zapfenverbindungen im historischen Fachwerk statisch mangelhaft und nicht kraftschlüssig installiert worden. 

 

Das instandgesetzte Fachwerk an der Burgplatzfassade mit Sicht auf die Hauptschwelle
Von Kernfäule stark befallene Schwelle des Dachstuhls zum Landesmuseum hin
Nicht kraftschlüssig gearbeitete und statisch mangelhafte Zapfenverbindung
Gebrochener Deckenbalkenkopf mit freigelegtem Zwickelgefach
Mit PU-Leim bestrichene Schwelle nach Abnahme der Sichtbohle
Alte Heizungsrohre werden nach Abnahme des Windbrettes sichtbar
Messung der Wasseraufnahmefähigkeit des Bestandsputzes
Abmontierte Einzelteile der Fassade werden sorgfältig eingelagert

Phase 3: Die Holz- und Gefachsanierung beginnt

Die freigelegten Schäden müssen nun denkmalschutzgerecht behoben werden. Konkret heißt das, möglichst viel von der historischen Bausubstanz zu erhalten. Leider ist dies nicht überall möglich. Das freigelegte Lehmflechtwerk der Gefache in der Durchfahrt zum Innenhof ist so stark geschädigt, dass es teilweise durch Ziegelsteine im historischen Reichsformat ersetzt werden muss. Auch an den Holzteilen der Tordurchfahrt ist viel in Ordnung zu bringen. Einige der Grundschwellen, Stützen und Anschlüsse sind so stark angegriffen, dass sie „gesundgeschnitten“ und partiell durch sorgsam ausgewähltes neues Holz ersetzt werden müssen. Bei kleineren Schäden, Fehlstellen und Verformungen wird versucht, einen Austausch zu vermeiden. Hierzu sind manchmal recht ausgefallene Maßnahmen notwendig. So erfahren etwa die Hölzer der rückwärtigen Tordurchfahrt eine Mikrowellenbehandlung zur Bekämpfung des Befalls durch holzzerstörende Organismen und Schädlinge. Auch an der dreigeschossigen „Utlucht“ zum Burgplatz hin wird saniert. Nach Ausräumung der Gefache unterhalb der Fenster müssen dort die Eckstützen zur  Sicherheit vorübergehend durch eine Rückverankerung aus Metallbändern gesichert werden.

Fassadensanierung, Braunschweig, Burgplatz, Hauptverwaltungssitz, Sanierungsarbeiten, Phase 2
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Phase 2: Jetzt geht es ans Eingemachte

Nachdem die Sandstrahl- und Rückbauarbeiten weitgehend abgeschlossen wurden, konnten die zum Teil erheblichen Schäden am Fachwerk genauer in Augenschein genommen werden: Stützen und Schwellen im Bereich der Tordurchfahrt sind stark von Schädlingen befallen und müssen teilweise ausgetauscht werden. Auch die geputzten Felder in den Gefachen zeigen stellenweise starke Schäden durch Feuchtigkeit und Schädlinge. Zum angrenzenden Landesmuseum ist ein ausgedehnter Schwammschaden unter der Traufe zu sanieren. An der dreigeschossigen „Utlucht“ zum Burgplatz hin ergaben die Freilegungsarbeiten Schäden am Balkenwerk sowie zwischenzeitlich erfolgte Änderungen an der Gebäudestruktur, die nun wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt werden soll. Aufwändig gestaltet sich auch die Entfernung der zahlreichen Beschichtungen an Fenstern und Metallteilen, die alle möglichst erhalten bleiben sollen.

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Phase 1: Eingeplante Fassade „à la Christo“

Dem Verhüllungskünstler Christo hätte es gefallen: Die Fassade des Verwaltungssitzes der Handwerkskammer am Braunschweiger Burgplatz ist seit ein paar Tagen vollständig weiß eingeplant. Der Hintergrund ist allerdings nicht künstlerisch, sondern restauratorisch, denn die Fassade des Gebäudes aus dem 16. Jahrhundert benötigt eine systematische Ertüchtigung. Die erste Phase der Arbeiten hat nun begonnen. Sie besteht neben der Einrüstung und Einplanung aus einer eingehenden restauratorischen Untersuchung des Fachwerks, der Demontage von Fensterbänken und Blechen sowie umfangreichen Sandstrahlarbeiten an den lackierten Bohlen und Balken.

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