Handwerkskammer schließt Fassadensanierung des denkmalgeschützten Von Veltheimsches Haus ab.
Schmitz / Handwerkskammer

Von Veltheimsches Haus mit neuer Fassade

Handwerkskammer schließt Fassadensanierung des denkmalgeschützten Gebäudes ab.

Gerüste und Staubplanen sind entfernt, Handwerker und Firmen ziehen ab - die Sanierung der Fassade des unter Denkmalschutz stehenden Von Veltheimschen Haus ist nach einer Bauzeit von rund zehn Monaten so gut wie abgeschlossen. Mit der Sanierung der Fassade hat sich eine große Veränderung für das Gebäude ergeben: Statt der gewohnten Schwarz-Weiß-Optik erstrahlt die Fassade nun in warmen Grau-Ocker-Tönen. Denn im Zuge der Sanierung spielte gerade auch die Frage nach der historischen Farbigkeit des Gebäudes eine große Rolle.

Die Untersuchung der Fassade durch einen Restaurator hatte ergeben, dass das Erscheinungsbild vor der Sanierung mit seinem schwarzen Fachwerk und den weißen Gefachen, also den Flächen zwischen dem Fachwerk, nicht dem historischen Aussehen der Fassade entsprach. Dieses Aussehen erhielt das Gebäude vermutlich erst um 1950. Wie das Gebäude zur Erbauungszeit im Jahr 1573 ausgesehen hat, ließ sich nicht mehr feststellen, da es in seiner fast 450-jährigen Geschichte mehrfach umgebaut wurde. Für das Jahr 1868 ließ sich eine umfangreiche Renovierung nachweisen. Sie ist in einer Inschrift im wiederhergestellten Ladeerker des Daches festgehalten. Aus dieser Zeit stammen auch die bis heute erhaltenen Fenster. Beide erhielten einen dem damaligen Zeitgeschmack entsprechenden Anstrich. Da diese Renovierungsphase als prägend für das Denkmal auch im Zusammenspiel mit dem Platz angesehen wird, wurde sie der aktuellen Sanierung zugrunde gelegt. Sie ist gekennzeichnet von warmen Graubeige- und Ockerfarbtönen und monochrom, also einfarbig, gehalten.

„Dieses neue Farbbild der Fassade und der rund 150 Jahre alten Fenster, es gibt sogar noch ältere, wird vermutlich zunächst etwas überraschen, da sich die Ansicht mit dem starken Schwarz-Weiß-Kontrast seit Jahrzehnten eingeprägt hat“, erklärt Cordula Reulecke, Referatsleiterin Braunschweig vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. „Es ist aber so, dass das Von Veltheimsche Haus gemessen an seiner langen Geschichte eine nur sehr kurze Zeit seines Bestehens diese Optik getragen hat. Denkmalpflege hat jedoch auch mit Bauforschung, Geschichtszusammenhängen und Bewahrung und Vermittlung von gebauter Geschichte zu tun. Die Jahreszahl 1868 gab die prägende Zeitschicht vor, deren Klärung und Umsetzung uns beschäftigte.“ Die Gefache griffen den Farbton des Elmkalksteines von Dom und Burg auf. Auch das neue Vieweghaus habe sich diesem „Farbgebot“ des Burgplatzes um 1800 angeschlossen. „Für das von Veltheimsche Haus und damit auch für den gesamten Burgplatz stellt die jetzige Erscheinung einen deutlichen Zugewinn an geschichtlicher Authentizität dar“, so Reulecke.

„Ich freue mich, dass die Arbeiten erfolgreich beendet sind und dass das Von Veltheimsche Haus in einem neuen Glanz erstrahlt, der vielleicht zunächst etwas ungewohnt ist“, sagt Braunschweigs Oberbürgermeister Ulrich Markurth mit Stolz auf dieses kulturelle Erbe. „Mit dem farblich neuen Gewand wird das Von Veltheimsche Haus seiner geschichtlichen Bedeutung entsprechend am Standort Burgplatz hervorgehoben. Immerhin handelt es sich um den letzten von ehemals zahlreichen städtischen Adelshöfen, die den Burgplatz einst umgaben. Es ist für die Stadt Braunschweig und ihr historisches Stadtbild sehr erfreulich, dass sich die Handwerkskammer den besonderen Herausforderungen dieser Sanierung in technischer wie auch gestalterischer Hinsicht so konsequent gestellt hat.“

Zufrieden mit dem Ergebnis zeigte sich auch Detlef Bade, Präsident der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade: „Wer ein Denkmal besitzt, der muss es auch warten und pflegen. Gemeinsam mit den Fördermittelgebern übernehmen wir diese Verantwortung gern, um unseren traditionsreichen Sitz am Braunschweiger Burgplatz zu erhalten und damit einen wertvollen Beitrag zum Stadtbild zu leisten.“ Die sanierte Fassade sei außerdem ein Zeugnis hervorragender handwerklicher Arbeit. „Hier zeigt sich, was das Handwerk ausmacht: Fachwissen und qualitativ hochwertige Ausführung.“

Die Sanierung war notwendig geworden, weil herabstürzende Stücke aus dem Gefache zu einer Gefahr für Passanten wurden und weitere Schäden festgestellt wurden. Saniert wurde nach einem genau erstellten Plan in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde, einem Ingenieurbüro und mithilfe einer Vielzahl erfahrener Handwerksbetriebe. Sanierungsbeginn war im August 2020. Damit blieb die Sanierung im vorgesehenen Zeitplan.

Die Kosten für die Fassadensanierung betragen etwa eine halbe Million Euro. An der Finanzierung beteiligen sich die Bundesrepublik Deutschland mit 120.000 Euro, das Land Niedersachsen mit 98.875 Euro, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit 90.000 Euro sowie die Stadt Braunschweig und die Borek-Stiftung gemeinsam mit 3.000 Euro.

Das Von Veltheimsche Haus bildet zusammen mit dem angefügten Huneborstelschen Haus den Hauptverwaltungssitz der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade und ist gemeinsam mit der Burg Dankwarderode, dem Dom St. Blasii und dem Landesmuseum Teil der Traditionsinsel Braunschweiger Burgplatz.