Helfen mit dem eigenen Beruf

Der Verein Barber Angels Brotherhood e.V. bietet kostenlose Haarschnitte für Obdachlose an.

Einmal im Monat sind Friseurinnen und Friseure in ihrer Freizeit unterwegs und geben Obdachlosen mit ihrem Angebot ein Stück Selbstwertgefühl zurück. In Niedersachsen ist die Braunschweigerin Melanie Casavecchia vom Salon M&M Haare das Gesicht der Angels. „Wir sind Friseure. Wir können kein Geld spenden, dafür haben wir selber zu wenig. Aber wir können mit unserem Handwerk einfach etwas Gutes tun“, sagt die Friseurmeisterin und ruft auch andere Friseure auf, sich den Barber Angels anzuschließen. „Es gibt nichts Schöneres, als den Menschen ihr Gesicht wieder zu geben. Eine herzliche Umarmung zum Schluss gibt mir viel zurück. Es wird einem bewusst, wie schnell und oft auch unverschuldet Menschen obdachlos werden können.“


Zu erkennen an der Rockerkluft

Melanie Casavecchia ist Mitglied der Barber Angels
Bartel / Handwerkskammer

Die Philosophie des „Clubs der Friseure“ ist es, Kollegen und auch andere Branchen zu animieren, mit den jeweils eigenen Möglichkeiten einmal im Monat ebenfalls Gutes für die Menschen im eigenen Land zu tun. „Jedes Handwerk kann etwas tun“, sagt Melanie Casavecchia. Die Barber Angels wollen wachrütteln und Berührungsängste abbauen. Man erkennt sie an der Rockerkluft, die den Menschen Hemmungen nehmen soll, die durch eine normale Salonkleidung vielleicht aufkommen würde. Die Stylisten sind so in sozialen Einrichtungen und auf der Straße unterwegs. Dank der Unterstützung von Sponsoren können die
Vereinsmitglieder ihren Gästen nach dem Waschen, Haarschnitt oder Barttrimmen ein kleines Geschenkpaket mit Pflegeprodukten wie Shampoo, Kamm und Spiegel mitgeben.


Selbstbewusstsein zurück geben

Melanie Casavecchia von den Barber Angels frisiert Obdachlose ehrenamtlich.
Moodpix - Alexander Pihuliak

Die Resonanz auf das Angebot ist bei den Bedürftigen groß. „Wir erleben, dass sich die Menschen nach der kostenlosen Behandlung wieder an ihr altes Selbstbewusstsein erinnern und den Mut fassen, zu Bewerbungsgesprächen zu gehen und Jobs zu finden“, sagt die Friseurmeisterin. „In Niedersachsen tun sich die Friseure aber bisher schwer, sich uns anzuschließen.“ Jeder Angel ist alle drei Monate einmal für drei Stunden im Einsatz. „Das ist ein kleiner Zeitaufwand. Wenn wir mehr werden, können wir unsere Einsätze noch besser verteilen.“ Im September findet zum ersten Mal eine Haarschneideaktion in Gifhorn statt. Casavecchia hofft, dass dann auch neue Vereinsmitglieder geworben werden können.


Club der Friseure

Barber Angels, Friseure, Stories
Ulrich Klob

Gegründet wurde der Verein von Friseurmeister Claus Niedermaier aus Biberach an der Riß. Nach einem Fernsehbericht über frierende obdachlose Menschen hatte er das Bedürfnis zu helfen und entwickelte mit befreundeten Kollegen das Konzept der Barber Angels. Seit Ende 2017 sind die Friseure in einem Verein organisiert und haben etwa 350 Mitglieder in Deutschland und Europa.