Jessica Lahouel, Geschäftsführerin der Grieger GmbH
Handwerkskammer

Die Weichen rechtzeitig stellen

Jessica Lahouel hat den Betrieb ihres Vaters übernommen.

Sie ist eine echte Macherin: Am 1. Januar 2014 hat Jessica Lahouel die Nachfolge von Vater Horst Grieger als Inhaberin und Geschäftsführerin der Grieger GmbH Rohr- und Kabelleitungsbau in Schöppenstedt im Landkreis Wolfenbüttel angetreten.

Dass sie einmal in die Fußstapfen ihres Vaters tritt, war ursprünglich nicht geplant. „Ich habe mir ein solches Projekt erst nicht zugetraut“, gesteht die gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau. Ein externer Nachfolger war bereits gefunden, der Betrieb sollte an einen Käufer aus Hessen gehen. „Mein Vater und ich hatten aber kein gutes Gefühl“, sagt die 36-Jährige, die seit 1997 die Büroleitung bei Grieger innehat.

»Der Betrieb bleibt in familiärer Hand und ich habe was Eigenes.«

Schließlich landete sie im September 2013 im Büro von Bettina Otte-Kotulla. Die Nachfolgemoderatorin der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade ermutigte sie, selbst das Zepter in die Hand zu nehmen und den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Auch ihr Mann unterstützte sie: „Mach Du das doch, Dich kennen hier alle!“ Ein klärendes Gespräch mit ihrem Vater brachte den Stein ins Rollen. Schließlich ging alles ganz schnell, die Banken gaben grünes Licht und die Unternehmensnachfolge konnte innerhalb von wenigen Monaten abgewickelt werden. Heute ist Jessica Lahouel froh über ihre Entscheidung: „So bleibt der Betrieb in familiärer Hand und ich habe was Eigenes.“

Ihre 24 Mitarbeiter stehen geschlossen hinter ihr. Schon als sie noch keine Geschäftsführerin war, wurde sie liebevoll mit „Chefin“ angesprochen. Auch die Kunden sind begeistert: „Endlich mal eine Frau an der Spitze!“, heißt es. Mit Rat und Tat steht ihr ein erfahrener Bauleiter zur Seite, der schon seit 20 Jahren im Betrieb tätig ist. Um die fachlichen Anforderungen zu erfüllen, legt er demnächst die Prüfung zum geprüften Polier ab.

Horst Grieger gründete die Grieger GmbH im Jahr 1986. Zunächst war das Unternehmen in Bansleben ansässig, 2001 erfolgte der Umzug nach Schöppenstedt. Kerngeschäft sind die Trinkwassersanierung, Spülbohrungen und grabenlose Rohrerneuerungen nach dem Berstlining-Verfahren. Zu den Kunden gehören Unternehmen wie VW, Alstom, Avacon, Telekom und die Technische Universität Braunschweig.

„Einen geeigneten Nachfolgekandidaten zu finden, ist nicht immer einfach“, weiß Bettina Otte-Kotulla, die das Projekt gemeinsam mit Axel Drexhage, Betriebsberater bei der Handwerkskammer, begleitet hat. „Es ist wichtig, das Know-how im Unternehmen zu halten und beide Parteien zu Verhandlungen an einen Tisch zu bringen.“





Quelle: Norddeutsches Handwerk vom 15. Mai 2014, Text und Foto: Kirsten Friedrichs