Konjunktur-FrühjahrsumfrageWirtschaftliche Lage leicht eingetrübt
Handwerkskammer fordert zügig Entlastungen.
Die wirtschaftliche Lage im regionalen Handwerk hat sich im Frühjahr leicht eingetrübt. Der von der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade in ihrer Konjunktur-Frühjahrsumfrage erhobene Geschäftsklimaindex liegt aktuell bei 114 Punkten und damit zwei Punkte unter dem Vorjahreswert. „Wir stellen eine Verschiebung bei der Bewertung der aktuellen Geschäftslage fest. Viele Betriebe kommen heute zu dem Urteil, dass die Lage nur noch zufriedenstellend ist. Vor einem Jahr haben deutlich mehr die Lage als gut eingestuft.“, sagt Hauptgeschäftsführer Matthias Steffen. Als Ursachen nennt er den kalten Winter, der besonders das witterungsabhängige Bauhauptgewerbe traf, die anhaltende Wachstumsschwäche und die negativen Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten.
Der Anteil der Handwerksbetriebe mit einer guten Geschäftslage im ersten Quartal ging von 44 Prozent in der Vorjahresumfrage auf 37 Prozent zurück. Zugleich bewerten jetzt 44 Prozent ihre Geschäftslage als befriedigend – zuvor waren es 36 Prozent. Mit 19 Prozent blieb der Anteil der Unternehmen mit schlechter Geschäftslage annähernd gleich (Vorjahr: 20 Prozent). Lediglich 17 Prozent der Befragten konnten den Umsatz im ersten Quartal des Jahres steigern. Mit 46 Prozent musste fast jeder zweite Handwerksbetrieb Umsatzeinbußen hinnehmen. Der Auftragsbestand ging insgesamt zurück. 24 Prozent reduzierten die Beschäftigung, nur zehn Prozent meldeten steigende Mitarbeiterzahlen. Mit Blick auf die wärmere Jahreszeit erwartet das Handwerk eine Belebung der Geschäfte. 30 Prozent gehen von einer besseren Geschäftslage aus, 20 Prozent befürchten eine Verschlechterung. Die Betriebe hoffen auf eine Erhöhung des Auftragsbestandes und steigende Umsatzzahlen bei leicht ansteigender Beschäftigung.
Die Umfrage zeigt, dass auch das regionale Handwerk unter den Auswirkungen der geopolitischen Lage leidet: 84 Prozent sahen sich mit steigenden Einkaufspreisen konfrontiert. Die hohen Spritpreise belasten viele Gewerke, die auf dem Weg zum Kunden oder zur Baustelle auf Fahrzeuge angewiesen sind. „Mit Sorge blicken wir auch auf das Investitionsgeschehen im Handwerk. Es fehlt an Planungssicherheit und echten Entlastungen“, sagt Steffen. Bei der Einkommensteuerreform müsse der Fokus besonders auf die Personenunternehmen gerichtet werden, zu denen über 80 Prozent der Handwerksbetriebe im Kammerbezirk zählen. Zur Begrenzung der Energiekosten fordert er erneut, die Stromsteuer in der Breite zu senken. „Beides steht im Koalitionsvertrag und sollte zügig von der Bundesregierung umgesetzt werden. Wir brauchen dringend konkrete Entlastungssignale, damit die Zuversicht steigt und wieder mehr investiert wird.“
Unter den sieben Handwerksgruppen ist der Einbruch bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf am stärksten: Der Geschäftsklimaindex geht um 28 Punkte zurück und erreicht nur noch 88 Punkte. Im Bauhauptgewerbe sinkt das Konjunkturbarometer um acht Punkte auf 105 Punkte. Positiver ist die Entwicklung im Ausbauhandwerk, wo der Geschäftsklimaindex um zwei Punkte auf 120 Punkte ansteigt. Bei den Dienstleistungshandwerken für den persönlichen Bedarf (zum Beispiel Friseure, Kosmetiker oder Fotografen) zieht der Geschäftsklimaindex um sieben Punkte an und erreicht 108 Punkte. Ein Anstieg um 13 Punkte führt bei den Gesundheitshandwerken zu einem Wert von 130 Punkten. Der Geschäftsklimaindex im Nahrungsmittelhandwerk liegt aktuell bei 116 Punkten. Keine Veränderung gibt es im Kraftfahrzeughandwerk: Der Geschäftsklimaindex bleibt bei 127 Punkten.
Blick auf die Handwerkskonjunktur in den Regionen
Region Braunschweig (BS, GF, GS, HE, PE, SZ, WF, WOB):
31 Prozent der Handwerksbetriebe beurteilen ihre Geschäftslage im ersten Quartal 2026 als gut, weitere 51 Prozent als befriedigend. Für die kommenden Monate erwarten 28 Prozent eine Verbesserung der Geschäftslage, 49 Prozent gehen von einer stabilen Entwicklung aus. 23 Prozent erwarten eine schlechtere Geschäftslage. Der Geschäftsklimaindex liegt mit aktuell 109 Punkten um drei Punkte unter dem Vorjahreswert von 112 Punkten.
Region Lüneburg (CE, DAN, HK, LG, UE, WL):
39 Prozent der Handwerksbetriebe beurteilen ihre Geschäftslage im ersten Quartal 2026 als gut, weitere 46 Prozent als befriedigend. Für die kommenden Monate erwarten 30 Prozent eine Verbesserung der Geschäftslage, 54 Prozent gehen von einer stabilen Entwicklung aus. 16 Prozent erwarten eine schlechtere Geschäftslage. Der Geschäftsklimaindex liegt mit aktuell 119 Punkten um einen Punkt unter dem Vorjahreswert von 120 Punkten.
Region Stade (CUX, OHZ, ROW, STD, VER):
40 Prozent der Handwerksbetriebe beurteilen ihre Geschäftslage im ersten Quartal 2026 als gut, weitere 38 Prozent als befriedigend. Für die kommenden Monate erwarten 32 Prozent eine Verbesserung der Geschäftslage, 46 Prozent gehen von einer stabilen Entwicklung aus. 22 Prozent erwarten eine schlechtere Geschäftslage. Der Geschäftsklimaindex liegt mit aktuell 114 Punkten um einen Punkt unter dem Vorjahreswert von 115 Punkten.