Detlef Bade, Präsident der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade
Schmitz / Handwerkskammer

Handwerkskammer fordert Verbesserungen bei Corona-Hilfen

Bade: "Die Reserven sind aufgebraucht."

Vor dem Bund-Länder-Treffen zur Corona-Pandemie am Mittwoch fordert die Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade Verbesserungen für kleine und mittlere Handwerksbetriebe bei den Corona-Hilfen. „Wenn der Lockdown verlängert wird, muss bei den Hilfen nachgesteuert werden“, sagt Kammerpräsident Detlef Bade. Vor allem bei Friseur- und Kosmetikbetrieben und in Handwerksbetrieben, die von Teilschließungen betroffen sind, nehme die Verzweiflung von Tag zu Tag zu. „Die Reserven sind aufgebraucht, es geht an die Substanz“, weiß Bade aus Rückmeldungen betroffener Betriebe. „Die Überbrückungshilfe III muss daher sofort freigeschaltet werden und zur Auszahlung kommen.“

Außerdem müsse endlich ein Unternehmerlohn anerkannt werden, wie es in anderen Bundesländern bereits der Fall war. „Da der Bund sich hier nicht bewegt, haben wir uns mit dieser Forderung bereits mehrfach an die Landesregierung gewandt“, erklärt Bade. Schließlich müssten private Lebenshaltungskosten wie Lebensmittel, Miete oder Krankenversicherungsbeiträge gedeckt werden. „Die Anerkennung eines fiktiven Unternehmerlohns in den Corona-Hilfen hat auch mit Wertschätzung für die unternehmerischen Leistungen in der Gesellschaft zu tun“, sagt der Kammerpräsident. Schließlich würden Handwerksbetriebe maßgeblich für Arbeits- und Ausbildungsplätze sorgen.

Die aktuelle Corona-Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerk (ZDH), an der auch 184 Handwerksbetriebe aus dem Bezirk der Handwerkskammer teilgenommen haben, bestätigt den Ernst der Lage: 53 Prozent der Befragten aus dem Kammerbezirk gaben an, dass ihr Umsatz der letzten vier Wochen geringer ausgefallen ist als im Vorjahreszeitraum. Allerdings sind nicht alle Bereiche gleich betroffen. Während im Bauhauptgewerbe 84 Prozent und im Ausbauhandwerk 67 Prozent den Umsatz halten oder erhöhen konnten, waren 90 Prozent der Dienstleister für den privaten Bedarf, zu denen auch die Friseure und Kosmetikbetriebe gehören, von Umsatzeinbrüchen betroffen. Unter den Gesundheitshandwerken meldeten 83 Prozent niedrigere Umsätze. Umsatzrückgänge gab es auch im Kfz-Handwerk (67 Prozent), den Handwerken für den gewerblichen Bedarf (64 Prozent) und im Nahrungsmittelhandwerk (59 Prozent). Auch die Erwartungen für das erste Quartal 2021 sind nicht besser: Nur 15 Prozent der befragten Betriebe gehen von einem höheren Umsatz aus; jeder zweite befürchtet dagegen einen Umsatz unterhalb des Vorjahres.