Augenoptikermeisterin Carola Töpfer von Wöldecke Brillen und Kontaktlinsen
Schweiger

Wöldecke Brillen und Kontaktlinsen aus Goslar feiert dieses Jahr den 100. Geburtstag.Auf dem roten Teppich

Augenoptikermeisterin Carola Töpfer ist eine One-Woman-Show: Seit 2013 ist die 60-Jährige Inhaberin von Wöldecke Brillen und Kontaktlinsen im Herzen der historischen Goslarer Innenstadt. Dort, in einem charmanten kleinen Geschäft in einem Fachwerkhaus, rollt die gebürtige Berlinerin ihren Kunden den roten Teppich aus. Und das wortwörtlich: Der knallige Bodenbelag führt nämlich geradewegs zur Eingangstür. „Das war eine meine ersten Anschaffungen, nachdem ich das Geschäft übernommen habe“, erinnert sie sich. Und eigentlich wollte sie den Teppich schon längst wieder durch ein neueres Modell ausgetauscht haben – nur ist die passende Variante einfach nicht mehr zu bekommen. Aber in dem Jahr, in dem das Fachgeschäft seinen 100. Geburtstag feiert, soll eben auch optisch alles stimmen.

Aber der Reihe nach: Ende der 90er-Jahre zieht Carola Töpfer mit ihrer Familie von Spiekeroog an den Harzrand. Als Halbtagskraft fängt sie in der Marktstraße an, damals wird das Geschäft noch von Augenoptikermeister Gunter-Hermann Spieß geführt „Wir haben jahrelang zu zweit gearbeitet“, berichtet Töpfer. Jeder hatte seinen eigenen Arbeitsbereich, Töpfer die Werkstatt, Spieß das Büro und den Augenprüfraum. Die Handgriffe waren aufeinander abgestimmt - sie waren ein gutes Team. „Anfangs gab es noch eine Gesellin, zwischendurch auch mal einen Lehrling, aber sonst waren wir alleine.“

Alleine am Tresen

Heute, rund 20 Jahre später, steht Carola Töpfer alleine hinter dem Empfangstresen - und sie fühlt sich sehr wohl damit. Gunter-Hermann Spieß hilft Montagvormittag weiterhin aus, ansonsten hat sich die Mutter zweier erwachsener Söhne ganz wunderbar eingerichtet. Ihr Unternehmen hat treue Kunden und ein gehobenes Produktsortiment. „Die Masse kann ich nicht versorgen, die Klasse dafür schon eher“, sagt Töpfer. Zeit ist ein kostbares Gut, und ebenjene nimmt sich die Meisterin für ihre Kunden gerne. Tatsächlich hat auch die Pandemie dafür gesorgt, dass ihr Alltag viel strukturierter verläuft. Nach der anfänglichen Schockstarre im März 2020 kamen die Kunden schnell wieder ins Geschäft - Augenoptiker waren die ganze Zeit geöffnet. „Wir arbeiten mit persönlichen Terminen unter angemessenen Hygienemaßnahmen. Das war und ist auch weiterhin so.“ Carola Töpfer meistert alles alleine, das Arbeiten mit Terminen ist da ein echter Vorteil. Und wenn ein Kunde eineinhalb Stunden Zeit benötigt, dann ist das eben so. „Die Menschen haben hohe Ansprüche an Sehen und Aussehen, da möchte ich sie auch optimal versorgen. Das ist meine Verantwortung“, betont Töpfer. Die Brillen fertigt sie selbstverständlich in ihrer kleinen Werkstatt selbst an. Gern wurde sie ihr Können an den Nachwuchs weitergeben, aber für einen Lehrling, so sagt sie, fehlt ihr einfach die Zeit.

Brillen kommen auf Tablett

Als das Geschäft im Jahr 2013 den Inhaber gewechselt hat, lief das meiste schon in geordneten, bekannten Bahnen - Carola Töpfer wusste, was auf sie zukommt. Kleinigkeiten hat sie dann aber doch geändert. Den roten Teppich vor dem Geschäft zum Beispiel. Oder dass sie dem Kunden die fertigen Brillen nun immer auf ein kleines Tablett legt, um das finale Modell zu präsentieren. Und auch wenn ihr Betrieb ein Traditionsgeschäft ist, Carola Töpfer geht natürlich mit der Zeit: In den Jahren seit der Übernahme investierte sie in neue Technik, unter anderem ein hochmodernes Augen-Mess-Gerät, den DNEyeScanner, eine komplett neue Computeranlage und einen Netzhautscanner, um ihren Kunden auch ein kleines Screening bieten zu können. Eine gesunde Mischung aus fachlicher Kompetenz und Bauchentscheidungen, die sich richtig anfühlen: So führt die Augenoptikermeisterin ihr Geschäft.

Im Jubiläumsjahr sind viele kleinere Aktionen geplant, im Frühherbst hofft Carola Töpfer zu Weinprobe und Cocktailabend einladen zu können. Wie es mit Wöldecke Brillen und Kontaktlinsen in der Zukunft weitergeht, weiß Töpfer noch nicht. Aber: An einen Abschied verschwendet sie momentan sowieso keine Gedanken. „Mir macht meine Arbeit richtig viel Spaß.“