Stukateur; Stukateurin; Pinsel; Säule
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Reichen zwei Jahre aus?

So unterschiedlich die Unternehmen im Handwerk sind, so weit liegen sie auch bei der Nachfolgeplanung auseinander. Doch das muss kein Nachteil sein.

Eigentlich hat Klaus Stuckert noch Zeit für seine Betriebsübergabe. Fünf Jahre lang will der 57-jährige Stuckateurmeister die Geschicke seiner Firma in Hannover noch leiten, bevor er sich zurückzieht. Mit der Nachfolge beschäftigt sich Stuckert seit zwei Jahren intensiv.

Die erfolgreiche Übergabe ist ein wichtiges Unternehmensziel des Meisters. Nicht nur, weil es bei dem 28 Jahre alten Stuckateurunternehmen um sein Lebenswerk geht. „Wenn Fachbetriebe in einem Gewerk wie unserem einfach schließen, geht mit ihnen auch das Fachwissen verloren“, sagt Stuckert.

Handwerker sind zögerlich

So strategisch wie der Stuckateurmeister gehen nicht alle im Handwerk die Nachfolge an. Laut Nachfolge-Monitoring Mittelstand, den KfW Research jüngst veröffentlicht hat, sind Handwerker im Vergleich zu anderen Branchen eher zögerlich bei der Nachfolgesuche. Danach ziehen bundesweit 66.200 Handwerksbetriebe bis Ende 2020 eine Nachfolge in Betracht. Jedoch habe erst jeder fünfte die Verhandlungen abgeschlossen. Zum Vergleich: im Gesamtmittelstand sei es gut jeder dritte. Weitere 25 Prozent der Handwerksunternehmer sind laut Studie derzeit in Verhandlungen für die Nachfolge. Heißt im Umkehrschluss: Über die Hälfte der Betriebe ist von der Nachfolge-Zielgeraden weit entfernt.

Katharina Meier, Nachfolgemoderatorin an der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade, überrascht das Ergebnis der KfW-Untersuchung nicht, bestätigt es doch die Erfahrungen aus ihrer Beratungsarbeit. Dass sich die einen früher, die anderen später mit der Nachfolge beschäftigen, sieht sie vor allem in den unterschiedlichen Unternehmertypen begründet. Die Strategen, die sich die Nachfolge als konkretes Ziel gesetzt haben, würden mindestens fünf Jahre vor der Übergabe ihre Nachfolge planen. Die Gruppe, die einen gewissen Handlungsdruck zur konzentrierten Nachfolgesuche braucht, würde sich eher zwei Jahre vor der Übergabe mit dem Thema auseinandersetzen. „Diese beiden Gruppen halten sich in etwa die Waage“, sagt Meier.

Dabei sei es nicht automatisch ein Problem, wenn Betriebe sich erst zwei Jahre vor der Übergabe mit der Nachfolge befassen, berichtet Meier: „Wer die Nachfolge dann mit viel Leidenschaft angeht, hat erfahrungsgemäß noch gute Chancen.“ Fest steht für sie aber auch: Bei Betrieben, die die nötige Zeit nicht investieren, ende die Nachfolgesuche eher nicht wie gewünscht.

Tipps für die Übergabe

Wer seinen Betrieb abgeben möchte, muss sich zunächst die eigenen Anforderungen bewusst machen, weiß die Nachfolgemoderatorin. Was sind Ihre Stärken und Schwächen und wie sieht demzufolge der passende Nachfolger aus? Wo können Sie den finden? Wer kann bei der Suche helfen? Dann beginnt die Suche. Wichtig: auf mehreren Kanälen.

  • Inserieren Sie Ihren Betrieb auf Unternehmensbörsen wie Nexxtchange.
  • Fragen Sie Ihr Team nach Kontakten, denn das hat ein Interesse am Erhalt seiner Arbeitsplätze.
  • Fragen Sie Lieferanten, Geschäftspartner und auch übernahmewillige Wettbewerber.
  • Nutzen Sie die Unterstützung Ihrer Kammer.
  • Machen Sie die Suche auf Ihrer Website und den sozialen Netzwerken öffentlich.
Nachfolgesuche: der größte Hemmschuh

Viele dieser Kanäle hat auch Klaus Stuckert genutzt – mit guten Resultaten: „Ich habe mit mehreren Interessenten Gespräche geführt“, sagt Stuckert. Derzeit ist er wieder mit einem potenziellen Nachfolger im Kontakt. Der bringe die Voraussetzungen mit, auf die es Stuckert ankommt: gelernter Stuckateur mit einem Sinn für Betriebswirtschaft und Leidenschaft für sein Handwerk. So kommt der Unternehmer seinem Ziel Schritt für Schritt näher. Bis es soweit ist, freut er sich über jeden potenziellen Nachfolger. „Wer Interesse hat, kann sich gerne bei mir melden“, sagt Stuckert.



Dieser Artikel ist erschienen im Norddeutschen Handwerk 03/2019 vom 28. Februar 2019.

Autor: Denny Gille

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