Symbolbild: Mann am Schreibtisch grübelt über Zahlen
Graggo

Keine Nachfolge aus Existenzangst?

Der große Bruder oder die kleine Schwester "Versagens- und Existenzangst"

Nachfolgemoderatorinnen treffen nicht ausschließlich nur erfahrene Handwerker und Handwerkerinnen, die ihr Lebenswerk planen, in engagierte jüngere Hände zu geben. Nein. Ab und an läuft uns auch eine für viele Betriebsinhaber heißbegehrte Spezies über den Weg: Fachkräfte im Handwerk mit Visionen und Ambitionen für mehr. Und nicht selten auch mit im Gepäck:


Der große Bruder bzw. die kleine Schwester "Versagens- und Existenzangst"

Für alle diejenigen, die sich jetzt wiedererkennen: Kein Grund gleich das Weite zu suchen. Dranbleiben und wirken lassen, was nun folgt:

Nach der Schulzeit folgt für viele der Sprung ins kalte Wasser. Eltern und Lehrer verlangen von Schulabgängern entweder den Weg in eine Ausbildung oder ins Studium zu wählen. Als Azubi in einem Ausbildungbetrieb, hier natürlich der Azubi in einem Handwerksbetrieb, ist der Zeitpunkt, bis man als ausgebildete Fachkraft in einer sehr komfortablen Struktur landet, sehr schnell in greifbarer Nähe. Als Gesellin oder Geselle im Handwerk unterschreibt man einen Arbeitsvertrag beim Chef oder der Chefin. Entweder ist per Tarifvertrag geregelt, welche Summe xy fortan monatlich auf deinem Konto landet, oder aber man selbst hat gut verhandelt.


Von Existenzangst bis dato keine Spur, oder?

Logo. Die meisten Angestellten im Handwerk, die wir befragen (Nachfolgemoderatorinnen sind immer neugierig und wissbegierig!) berichten, dass die Arbeit nicht immer ein Zuckerschlecken ist. Der Druck ist groß, die einen oder anderen Überstunden häufen sich an, Kundenansprüchen muss penibel genau Rechnung getragen werden, und das Auftragspensum sprengt nahezu die im Arbeitsvertrag vereinbarten Arbeitsstunden. Es wird viel von euch erwartet, ja. Aber: Das Gehalt kommt pünktlich in der vereinbarten Höhe aufs Konto. Regelmäßig und eventuell kommt noch der eine oder andere Zuschlag hinzu. Keine Spur von Existenzangst - oder?


Und dennoch treffen wir auf Nachfolgeinteressierte - warum?

Weil wir Moderatorinnen zu 100% vertraulich beraten, können wir keine Namen nennen. Aber wir können berichten, was ihn - ja ganz richtig - es war ein “Er”, dazu veranlasst hat, das kuschelige Nest zu verlassen und wie er mit seinen Ängsten umgegangen ist. Ein unzensierter Blick hinter die Kulissen eines Seelenverwandten quasi.

So perfekt und komfortabel die Tatsache auch war, dass immer pünktlich Geld auf dem Konto gelandet ist und er als begehrte Fachkraft einen festen und sicheren Arbeitsplatz in der Tasche hatte, taten sich nach 3 Jahren Gesellenzeit mehr Schattenseiten als Sonnenseiten auf. Damit sollte Schluss sein. Er gab seiner Intuition nach und begann sich mit dem Thema Selbstständigkeit zu befassen.

Intuitiv wusste er, dass das die richtige Entscheidung gewesen ist: Kündigen, Resturlaub nehmen und in der Zwischenzeit alle Kraft in die Erstellung eines Businessplans stecken, damit es zum offiziellen Stichtag losgehen kann. Aber nach und nach meldete sich der Verstand zu Wort - und das nicht gerade leise!

Nach knapp 6 Monaten intensiver Vorbereitungszeit dämmerte ihm allmählich die Tragweite seiner Entscheidung und geriet ins Wanken. War er zu blauäugig? Das Konzept, dass er sich vorab so wunderbar ausgemalt hat, schien nicht aufzugehen. Die Banken zögerten und sprangen auf seinen anfänglichen Euphoriezug nicht auf - anders als gedacht. Das finanzielle Polster, dass er sich angespart hatte, sah er vor seinem geistigen Auge schon dahinschwinden. Denn: Ohne die Finanzierungszusage der Bank war die Neugründung gefährdet. Das Konzept schien der Bank zu dürftig und nicht tragfähig. Kein Alleinstellungsmerkmal und zu viele Mitbewerber des gleichen Handwerks im Umkreis. Die Existenzangst kroch angesichts seiner Aussichten immer mehr an die Oberfläche. Er steckte nun mittendrin im Schlamassel. Sein Selbstbewusstsein war stark in Mitleidenschaft gezogen, dennoch wusste er eines ganz genau:


Unternehmer sein, selbstständig sein, Menschen leiten und Visionen nicht länger nachjagen sondern sie gezielt angehen, wollte er noch immer!

Zwar sah es derzeit nicht so rosig aus, aber er wusste, dass seine Ausbildung und die große Nachfrage nach guten Fachkräften im Handwerk sein Notfallanker sein würde. Er hatte nichts zu verlieren!

»Wenn der Plan nicht funktioniert, ändere den Plan, aber niemals dein Ziel!«

Diese Erkenntnis und der Wille, dass er das Selbständigsein um jeden Preis wollte, hat ihn letztlich zur Nachfolgemoderation gebracht. Wenn eine Neugründung nicht funktioniert, dann ja eventuell eine Betriebsübernahme als Alternative zur Neugründung. Scheitern war keine Option - die Schranken, die er letztlich von der Bank aufgezeigt bekommen hatte, ein logischer Hinweis darauf, was stattdessen funktionieren könnte, ohne sein Ziel ändern zu müssen. Es war sinnbildlich lediglich eine Umleitung wegen Streckensperrung auf der ursprünglichen Route.

Die Übernahme eines Betriebes muss nicht für jeden eine Option sein. Aber es kann ein Sprungbrett sein auf dem Weg sich selbstzuverwirklichen und zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

Der Wille an sich, sein Ziel erreichen zu wollen, muss

  1. stärker sein als die fiesen Monster Existenz- und Versagensangst und
  2. Klarheit über das, was einen antreibt und was man wirklich machen möchte, und wird Dich letztlich zu Deinem persönlichen Erfolg führen.

Dieser Wille wird einen tagtäglich antreiben und anpieken, Dein Bestes zu geben, besser werden zu wollen und über sich hinauszuwachsen.


Die Antwort dieses jungen Handwerkers also auf die Frage  "Keine Nachfolge/Existenzgründung aus Existenzangst?"

Blanke Angst und Selbstzweifel und Existenzangst haben ihn zwar ins Wanken gebracht, aber waren in Anbetracht der Alternativen kein Grund, die Existenzgründungsidee aufzugeben. Es wurde eine Existenzgründung durch Übernahme statt einer Neugründung, wie ursprünglich geplant. Aber letztlich stellte sich diese Alternative als viel besserer Plan heraus.

  • Wollte er seinen Traum aufgeben, nur um nachts wieder ruhig schlafen zu können?
  • Wollte er seinen Traum begraben, um wieder in ein sicheres Anstellungsverhältnis überzugehen und jeden Monat dieselbe Gehaltszahlung auf dem Kontoauszug anzusehen?

Dieser Übernehmer hat diese Fragen mit einem klaren "Nein" beantwortet.

Auch bei Übernahme eines bestehenden Betriebes ist man nicht zwangsläufig befreit von Existenz- und Versagensängsten, die bei Neugründung automatisch immer eine Zeitlang mit gebucht werden. Aber er hatte die Finanzierungszusage der Bank, die Übernahmen derzeit aufgrund des besser kalkulierbaren Risikos in Verbindung mit dem langjährigen Bestehen des Betriebes trotz höherem Kapitalbedarf gerne begleitet haben. Er hatte Fachkräfte gleich mit übernommen und durch die Übernahme einen "Mitbewerber" weniger. Und obwohl mit der Übernahme des Betriebes auch eine langjährige Geschäftsausrichtung und -tätigkeit mit übernommen wurde, hat ihm gerade dieser Aspekt dabei geholfen, seine Visionen und Ziele mit Hilfe des schon lange funktionierenden Tätigkeitsschwerpunktes umzusetzen. Immer mit dem Wissen, wenn dieser Plan der Visionsrealisierung noch nicht 1:1 aufgeht, da etwas ist, was man doppelten Boden nennt und ein Fehlschlag nicht gleich Existenzgefährdung zur Folge haben muss.

Anstatt an den Projekten von einem anderen Chef/Chefin zu arbeiten, arbeitet er heute an seinen eigenen Projekten.


Vermeintliche Sicherheit im Angestelltenverhältnis vs. Selbstständigkeit?

Diese Frage muss und sollte sich jeder selbst beantworten, denn schließlich sollte man hinter einer so bedeutungsvollen Entscheidung mit Herz und Seele und mit voller Überzeugung stehen. Aber wann immer man junge Übernehmer trifft und sie fragt, wie sie sich wohl rückblickend mit Stand heute, also mittendrin in der Selbstständigkeit, entscheiden würden und ob sie es wieder genauso machen würden, schmettern sie gerade heraus: Ja! Ja! Ja!

Auch eine Übernahme ist nicht frei von Komplikationen, fordert einen und man lernt eines ganz schnell: Wann immer Entscheidungen anstehen, die einen Unternehmer an seine Grenze treiben und einem das magische Wort "Existenzangst" mitten ins Gesicht schreien und Selbstzweifel erneut an einem hemmungslos nagen, weil man glaubt, dass man es einfach nicht schafft, kommen erste Erkenntnisperlen dahergeflogen, die einen wieder an folgendes erinnern:

»Erfolge hat man nicht in seiner Komfortzone erzielt. Anstrengung und Überwindung der inneren Monste, der Schritt aus der Komfortzone heraus, waren die Erfolgsgaranten.«

Die zentrale Frage die sich wohl jeder stellen sollte, der genau an einem solchen Scheidepunkt, wie dieser junge Handwerker hier gestanden hat, lautet also:


Was sind Deine beruflichen Ziele und wieviel bedeuten sie Dir wirklich?