Team Plagemann
Schmitz / Handwerkskammer

"Gute Arbeit entsteht durch Motivation"

Der Betrieb Team Plagemann aus Braunschweig setzt erfolgreich auf digitale Strategien zur Mitarbeitergewinnung und Kundenakquise. Mit Visionen und einem ausgeprägten Nachhaltigkeitsgedanken will Inhaber André Plagemann die Wertschätzung von Mitarbeitenden im Handwerk verbessern.

Dass in diesem Team ein Kollege schlechte Laune haben könnte, ist schwer vorstellbar. Schon während der morgendlichen Teamrunde lächeln alle Mitarbeitenden. Selbst als es um Lieferscheine oder Reklamationen geht. Hier haben alle Lust auf ihre Arbeit - gemeinsam. Im Sanitär-Heizung-Klimabetrieb (SHK) Team Plagemann aus Braunschweig gehört das zum Konzept. Für Geschäftsführer André Plagemann geht Wertschätzung über alles. „Ich habe mich früh beraten lassen und eine Strategie für meinen Betrieb entwickelt“, sagt der Geschäftsführer. Gute Arbeit entstehe durch Motivation. „Wer seine Mitarbeiter nicht mit Respekt behandelt, gar nicht lobt und sie aus Entscheidungsprozessen ausschließt, darf keine Zuverlässigkeit erwarten“, erklärt Plagemann. Dabei habe sich der Handwerksmeister stets gefragt, was ihm als Arbeitnehmer selbst missfallen hat. „Ich habe oft auf den Deckel bekommen“, erinnert er sich. Den Schritt in die Selbstständigkeit habe er 2015 auch gewagt, um es besser zu machen. Nach fünf Betriebsjahren beschäftigt er nun nach anfänglich hoher Fluktuation 13 Mitarbeiter, Tendenz steigend.

Denn sein Konzept funktioniert: Mit Hilfe einer Social-Media-Strategie rekrutiert Plagemann seine Mitarbeiter und betreibt gleichzeitig Marketing und Kundenakquise. Auf Facebook, Instagram und Youtube ist das Team präsent - bildet ab, was täglich geleistet wird. Da sind Videos von Beratungsgesprächen beim Kunden oder Haustechnik-Notfällen zu finden, Fotos von Speicherwechseln oder ganzen Badezimmersanierungen, auch einen Live-Stream einer Heizungswartung hat das Team schon ausprobiert. „Einerseits werden die Kunden so auf unsere gute Arbeit aufmerksam“, sagt André Plagemann. „Andererseits sieht aber auch ein potenzieller Mitarbeiter sofort, was ihn in meinem Betrieb erwartet: Transparenz, Aufrichtigkeit und Wertschätzung.“

Team Plagemann
Schmitz / Handwerkskammer

So sei es ihm gelungen, Handwerker aus Leipzig zu erreichen und sogar aus Südafrika. Beide arbeiten nun im Team Plagemann. Der Vorteil der sozialen Netzwerke sei dabei die Reichweite. „Zum Januar startet ein Installateur, der aus Hamburg in die Region zieht“, erzählt Plagemann. Auch der Hamburger sei durch reichlich Informationen über diverse Plattformen auf Team Plagemann aufmerksam geworden, der Vertrag kam dann via Instagram zustande. So bekomme er genau das Personal, das er haben möchte. Und noch besser: „Ich habe kaum Ausfall, es gibt keine bösen Überraschungen nach dem Start eines neuen Mitarbeiters in meinem Betrieb, wenn die Philosophie von Anfang an bekannt ist und mitgetragen wird.“

Dass André Plagemann mit seiner Online-Strategie der Offenheit und Transparenz den Zeitgeist getroffen hat, wird noch an anderer Stelle deutlich: Nachwuchsprobleme sind ihm kaum bekannt. „Selbst in Coronazeiten habe ich genügend Bewerbungen gehabt und konnte zum jüngsten Ausbildungsstart sogar einen Studenten einstellen“, erzählt der Betriebsinhaber. Vier Auszubildende beschäftigt er zurzeit. Mit der Lehre beginne die Karriere im Handwerk: „Da ein Auszubildender auch Erfolge für die eigene Motivation braucht, lasse ich meine Lehrlinge früh Verantwortung übernehmen“, erklärt Plagemann. Nach der Gesellenprüfung bleibe dann ein Großteil seiner Zöglinge in der Firma. Das bestätige das Konzept seiner Personalentwicklung.

André Plagemann geht seinen Weg mit bestimmten Zielen vor Augen: „Ich möchte etwas Nachhaltiges schaffen. Meine Kinder sollen auch etwas davon haben, was ich hier aufbaue.“ Ob einer seiner drei Söhne irgendwann einmal den Betrieb übernehmen wird, sei zwar noch nicht absehbar, aber die Vision vor Augen zu haben, sei ihm ein großer Antrieb. Auch seine Frau Nina ist nun in den Betrieb eingestiegen. „Bisher wollte ich immer autark bleiben, mit eigenem Job und eigenem Einkommen bei einer Versicherungsgesellschaft“, sagt Nina Plagemann. Mittlerweile sei sie aber so von der Geschäftsstrategie ihres Mannes angetan, dass sie auch ein Teil des Team Plagemanns sein möchte. „Wir starten ins Jahr 2021 als richtiger Familienbetrieb“, betont das Ehepaar.

Außerdem möchten die beiden ein weiteres Projekt vorantreiben: eine interne Wissensdatenbank via Bewegtbild. „Je besser ich meine Mitarbeiter von Anfang an abhole, desto reibungsloser gelingen die Einarbeitung und der betriebliche Alltag“, erklärt André Plagemann. Vorgenommen hat sich der Betriebsinhaber, Videos von Büroabläufen und klassischen Situationen im Betrieb anzufertigen, die sich seine Mitarbeitenden zur Information ansehen können – von der Ablage eines Lieferscheins bis zum Anfertigen eines Wartungsprotokolls. „Das klingt zunächst nach viel Aufwand“, gesteht er ein. Seien die Filme aber einmal abgedreht, können laut Plagemann häufige Nachfragen und Erklärungen zu bestimmten Themen vermieden werden.

Und noch ein Ziel hat der Handwerksmeister vor Augen. „Wir würden gern mit anderen Betrieben kooperieren.“ Auch seine Frau ist überzeugt: „Es lassen sich garantiert Synergieeffekte nutzen.“ So könnten viele Büroabläufe, Kundenakquise und Marketing aus einer Hand kommen. „Wir haben so viele Schnittstellen mit Elektroinstallateuren, Metallbauern, Fliesenlegern, Trockenbauern, Dachdeckern und Kältebauern – da sehe ich gemeinsames Potenzial“, sagt André Plagemann. Handwerk ergänze sich immer.

Der 32-Jährige möchte weiter mit seinen Mitarbeitenden durchstarten, hofft dabei auch auf ein baldiges Abklingen der Corona-Pandemie. „Auch wenn uns Corona bisher weniger hart getroffen hat als andere Gewerke, gibt es doch einige Einschränkungen“, sagt er. Dass die Wirtschaft und am Ende die Nachfrage vielleicht im Jahr 2021 stark darunter leiden wird, befürchtet auch er. Umso stolzer ist er auf sein Team: „Wir halten zusammen und entwickeln uns weiter – das macht uns auch in Krisenzeiten so zuverlässig.“



Mehr Infos

 www.team-plagemann.de

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Personalexperte der Handwerkskammer

Klaus Dettmar zu Personalgewinnung und Mitarbeiterwertschätzung

Klaus Dettmar ist Ihnen bei Fragen gern behilflich Fotostudio Sascha Gramann

Klaus Dettmar

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Herr Dettmar, ist die klassische Stellenanzeige noch das Maß der Dinge, um Personal zu gewinnen?

Klaus Dettmar: Die Schaltung von Stellenanzeigen in Zeitungen als alleiniger Weg zur Personalgewinnung ist nicht mehr zeitgemäß. In meinen Beratungen höre ich durchgängig von den Betriebsverantwortlichen, dass das Stellenangebot in der lokalen Zeitung eine recht überschaubare Wirkung hat. Eine Alternative, an der heute kaum noch jemand vorbeikommt, sind die sozialen Medien. Welcher Kanal dabei der passende ist, ob also zum Beispiel Facebook, Instagram oder WhatsApp geeignet sind, muss jeder Betrieb für sich selbst entscheiden oder einfach mal ausprobieren. Trotz aller Online-Angebote sollte aber auch nach wie vor der eigene Ruf nicht unterschätzt werden. Wer sich als guter Arbeitgeber einen Namen gemacht hat, der wird erfahrungsgemäß auch weniger Schwierigkeiten bei der Suche nach qualifiziertem Personal haben.

 

Mit welchen Mitteln kann ein Betrieb an einer positiven Außendarstellung arbeiten?

Klaus Dettmar: Die Entwicklung einer Arbeitgebermarke (Employer Branding) ist ein langfristiger und zeitintensiver Prozess, der sich auszahlt. Wenn der Betrieb als guter Arbeitgeber in der Region bekannt ist, wird er Bewerberzulauf haben. Eine positive Außendarstellung gelingt aber nicht durch eine einmalige Aktion, sondern ist ein andauernder Prozess, zum Beispiel mithilfe einer aktuellen Website. Wichtig ist es, als Betrieb authentisch zu bleiben und kontinuierlich die Botschaft, für welche Werte das Unternehmen steht, zu kommunizieren - und zwar einheitlich in allen Kanälen und Publikationen. Auch soziales Engagement vor Ort wirkt sich positiv auf die Wahrnehmung eines Unternehmens aus.

 

Wie können Geschäftsführer einer hohen Mitarbeiterfluktuation aktiv entgegenwirken?

Klaus Dettmar: Indem sie sich für ihre Mitarbeitenden ernsthaft interessieren. Wer zielgerichtet und systematisch Wissen über sein Personal aufbaut, wer weiß, wie es dem einzelnen Mitarbeitenden fachlich und persönlich im Betrieb und in seinem Umfeld geht, welche Bedürfnisse er hat und wie zufrieden er ist, der kann seine Mitarbeitenden auch viel besser halten. Denn aus diesem Wissen heraus kann er Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung ableiten und umsetzen. Das können flexible Arbeitszeiten ebenso sein wie interessante Fortbildungsangebote oder einfach nur ein gut ausgestatteter Arbeitsplatz. Wichtig sind vor allem eine sich gegenseitig wertschätzende und respektvolle Führungskultur, eine transparente und ehrliche Kommunikation sowie klar kommunizierte und gelebte Werte.

 

Was würden Sie jedem Betriebsinhaber zum Thema Wertschätzung im Handwerk raten?

Klaus Dettmar: Grundsätzlich viel Zeit für Lob und konstruktive Kritik in den betrieblichen und außerbetrieblichen Alltag einplanen. Viel Raum für fachlichen und persönlichen Austausch schaffen, z.B. über einen „Jour Fixe“, feste Teambesprechungen, morgendliche Tages-Einsatzbesprechungen, halbjährliche Mitarbeiter-Vorgesetzten-Gespräche oder gemeinsame Betriebsaktivitäten und -events, die über die obligatorische Weihnachtsfeier hinausgehen. Genauso wichtig ist es aber, gemeinsam Visionen und Ziele zu entwickeln, z.B. in Bezug auf Kundenbetreuung oder Arbeitsqualität. Mitdenken und Mitwirkungsmöglichkeiten der Mitarbeitenden sollten nicht nur erwünscht sein, sondern eingefordert werden. Es muss dann natürlich auch Möglichkeiten zur Umsetzung von Mitarbeiterideen und Verbesserungsvorschlägen geben.