FDP-Bundestagsabgeordneter Serkan Tören zu Besuch im Technologiezentrum der Handwerkskammer in Stade.
 | Der FDP-Bundestagsabgeordnete Serkan Tören (4. von links) beim Besuch
des Technologiezentrums in Stade, umgeben von führenden Vertretern der
Handwerkskammer (von links): Volker Pankratz, Arbeitnehmervizepräsident
Jens Dudziak, Präsident Rolf Schneider, Hauptgeschäftsführer Norbert
Bünten und Matthias Steffen. |
Braunschweig/Lüneburg/Stade, 20. April 2010.- Bildung gilt als der wichtigste Rohstoff in Deutschland. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Serkan Tören konnte sich nun ein Bild davon machen, wie dieser Rohstoff im Handwerk gewonnen wird: bei einem Besuch im Stader Technologiezentrum der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade. "Die Dimensionen sind erheblich größer als ich gedacht habe", zeigte sich Tören beeindruckt von den zahlreichen modernen Werkstätten und Unterrichtsräumen, in denen Lehrlinge ergänzend zur betrieblichen Ausbildung qualifiziert und aus Gesellen Meister gemacht werden. Dem türkischstämmigen Abgeordneten, der zugleich Integrationspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion ist, fiel beim Rundgang positiv auf, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund in den Lehrgängen offenbar gut integriert sind. Kammerhauptgeschäftsführer Norbert Bünten verwies auf die hohe Integrationskraft des Handwerks: "Es liegt im Eigeninteresse des Handwerks, aber auch im Gemeinwohlinteresse, dass die Zuwanderer und die nachfolgenden Generationen gut in die Gesellschaft und das Arbeitsleben eingebunden sind." Bislang sei die öffentliche Diskussion um den drohenden Fachkräftemangel zu stark auf die akademischen Berufe fokussiert. Dabei seien ausreichend vorhandene und gut ausgebildete Fachkräfte aus dem Dualen Berufsbildungssystem mindestens genauso wichtig für den Erfolg der deutschen Wirtschaft. In der Diskussion, wie die Wettbewerbsfähigkeit des Handwerks gestärkt werden kann, erläuterte Kammerpräsident Rolf Schneider das Konzept des reduzierten Mehrwertsteuersatzes. Er betonte, dass das Handwerk sich stets dafür ausgesprochen habe, dieses Instrument ganz gezielt nur in solchen arbeitsintensiven Bereichen einzusetzen, die besonders von Schwarzarbeit bedroht seien. "Das Problem ist doch, dass die wahre Konkurrenz nicht im fairen Wettbewerb auf der Straße stattfindet, sondern häufig verdeckt in den Hinterhöfen", so Schneider. Durch eine gezielte Reduzierung der Mehrwertsteuer könnten bis zu 50.000 zusätzliche Arbeitsplätze im Handwerk entstehen. In der Folge würden mehr Steuern gezahlt und die Sozialversicherungssysteme entlastet werden. Jens Dudziak, Kammervizepräsident der Arbeitnehmerseite, pflichtete ihm bei und machte die Schwarzarbeit verantwortlich für soziale Not, da sowohl der Arbeitsmarkt als auch das Ausbildungssystem unterlaufen werde: "Schwarzarbeit ist Diebstahl an der Volkswirtschaft!". Diese Argumente für den reduzierten Mehrwertsteuersatz stießen beim Abgeordneten Tören auf viel Verständnis. Bei der anstehenden bundespolitischen Evaluation der Ausnahmetatbestände im Umsatzsteuersystem sollten die aufgezeigten Kriterien berücksichtigt werden. "Ich finde das vernünftig und ich will das so auch in meiner Fraktion vermitteln", versprach Tören. Den engen Kontakt zur Handwerkskammer will der Bundestagsabgeordnete halten. "Wir reden über Gesetze häufig sehr abstrakt, wichtig ist daher der direkte Draht zum Handwerk", so Tören am Ende des Gesprächs. |