
Braunschweig/Lüneburg/Stade, 19. Juni 2009.- Am 23. Juni 2009 findet zum zweiten Mal der nationale Aktionstag zur Unternehmensnachfolge durch Frauen statt, der vom Bundesfamilienministerium, dem Bundeswirtschaftsministerium und der bundesweiten gründerinnenagentur ins Leben gerufen wurde. Unter dem Motto "Nachfolge ist weiblich!" ist es das erklärte Ziel, die weibliche Unternehmensnachfolge mit unterschiedlichen Aktionen bekannter zu machen und zu fördern.
Norbert Bünten, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade, äußert sich zuversichtlich: „Der Anteil von Frauen, die den elterlichen Betrieb übernehmen, steigt langsam aber kontinuierlich.“ „Nicht wenige Töchter entscheiden sich schon früh, die berufliche Laufbahn des Vaters einzuschlagen mit dem Ziel, den Familienbetrieb eines Tages zu übernehmen,“ ergänzt Christina Völkers von der Koordinierungsstelle zur Frauenförderung der Handwerkskammer. Inzwischen stammt jede dritte Existenzgründung von einer Frau. Dies verdeutlicht, dass Frauen nicht nur gerne, sondern auch sehr erfolgreich in der ersten Reihe stehen. Allerdings wird bisher nur etwa jedes zehnte Unternehmen von einer Frau übernommen. Auch wenn die Nachfolgeregelung innerhalb der Familie getroffen wird, werden die Frauen bzw. Töchter nachweisbar häufig als weniger geeignet betrachtet, selbst wenn sie die besseren Qualifikationen aufweisen, so Studienergebnisse von Instituten der Mittelstandsforschung.
Aus Anlass des bundesweiten Aktionstages stellt die Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade eine Frau vor, die erfolgreich ein kleines Handwerksunternehmen übernommen hat: Michaela Herzberg-Schwichtenberg ist Inhaberin der Bäckerei Schwichtenberg in Bispingen und führt insgesamt 40 Mitarbeiter.
Was hat Sie damals bewogen, den Betrieb zu übernehmen?
H.-S.: Ich stand aufgrund des plötzlichen Todes meines Mannes von einem auf den anderen Tag vor der Entscheidung: Mache ich weiter oder verliere ich neben meinem Mann auch noch die wirtschaftliche Grundlage für mich und die drei Kinder.
War es für Sie ein Sprung ins kalte Wasser?
H.-S.: Ich wusste schon viel. Schließlich habe ich das Familienunternehmen zwanzig Jahre lang hautnah miterlebt und unterstützt. Allerdings war ich immer die starke Frau im Hintergrund – jetzt musste ich Chefin sein. Das war nicht immer ganz leicht.
Und wie sind Ihnen Ihre männlichen Mitarbeiter begegnet?
H.-S.: Ehrlich gesagt, habe ich nicht mit so vielen Schwierigkeiten gerechnet. Gerade aber die Männer hatten Probleme mit der Veränderung. Die meisten hatten erwartet, dass alles so weiterläuft, wie sie es von meinem Mann her kannten. Eine Nachfolge ist aber immer mit Veränderungen verbunden - damit ist nicht jeder klargekommen.
Haben Sie sich davon beirren lassen?
H.-S.: Nein, das Wichtigste in meinen Augen ist, dass man an seinen Ideen und Grundsätzen festhält – und das auch mal gegen Widerstände. Ich brauchte Mitarbeiter, die mitdenken wollten. Wer das nicht wollte, von dem habe ich mich getrennt.
Was änderte sich konkret für die Mitarbeiter?
H.-S.: Auf einmal hatten sie eine Frau vor sich, die keine Bäckermeisterin ist. Ich konnte immer nur sagen, wie ich gewisse Sachen haben wollte. Das ist natürlich schwieriger, als es selbst vorzumachen.
Haben Sie eine persönliche Erfolgsstrategie?
H.-S.: Ich musste sehr viel lernen, habe mich entwickelt. Eine meiner Stärken ist, so zu delegieren, dass jeder Mitarbeiter seinen optimalen Platz findet.
Gibt es etwas, was Sie Frauen im Beruf raten würden?
H.-S.: Sich nicht reinreden lassen, sondern versuchen, an den eigenen Ideen festzuhalten.
Wie sieht Ihre persönliche Work-Life-Balance aus?
H.-S.: Ich gehöre zu den Menschen, die gut abschalten können und kein Problem damit haben, gewisse Arbeiten an andere abzugeben.
Steckbrief
Name: Michaela Herzberg–Schwichtenberg
Alter: 46 Jahre
Familienstand: verwitwet, drei Kinder
Ausbildung: Kürschnerin
Lebensmotto: „Alles hat seine Zeit. Weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit.“ (Bibel, Prediger 3, 1-8)