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Interview mit dem Hamburger Designbüro Typeholics
Das Hamburger
Designbüro Typeholics war bis vor kurzem vor allem für Plattencover bekannt,
die es für Musiker wie Jan Delay und Peter Fox gestaltete. Nun hat die
Hamburger Grafikschmiede die Optik für die Jugendmotive der Imagekampagne des
deutschen Handwerks entwickelt.
Die Anzeigen sind ab Mitte Januar 2010 auf
Webseiten und in Zeitschriften für Jugendliche zu sehen. Im Interview schildert
Designer Felix Schlüter den Entstehungsprozess – und erklärt, welche Rolle das
Handwerk für seine Arbeit spielt.
Wie kommt man vom Plattencover für Musikstars zum deutschen
Handwerk?
Wir versuchen
bei unserer Arbeit für Plattenfirmen und Konzertveranstalter immer, eine
lebendige Ästhetik zu prägen. Genau dieses Gespür war für die Imagekampagne des
deutschen Handwerks gefragt, und deshalb hat man wahrscheinlich uns gefragt, ob
wir die Motive für Jugendliche gestalten wollen.
Weshalb
ist Ihre Arbeit im Street-Art Stil gehalten?
Ich bin seit gut 15 Jahren als Grafiker
tätig und führe ein eigenes Designbüro. Als Jugendlicher habe ich mich aber
viel mit Graffiti beschäftigt. Für die Anzeigen haben wir von Typeholics diese
beiden Aspekte – klassisches Grafikdesign und Street-Art – zusammengeführt.
Unser Grundgedanke bei den Motiven war, dass wir Texte und Grafiken gestalten,
die wir auf Häuserwände kleben und von dort abfotografieren.
Wie sind die unterschiedlichen Motive entstanden?
Ausgehend von
den bereits vorhandenen Layouts und Ideen ging es uns darum, einen ganz
besonderen Stil zu finden. Dieser sollte einerseits in seiner Machart auf
handwerkliche Arbeitstechniken verweisen – und somit auch inhaltlich dem Thema
der Kampagne gerecht werden. Andererseits hatten wir aber auch den Anspruch,
dass wir etwas entwickeln, das für ganz unterschiedliche Ideen, Themen und
Motive offen ist – und auf vielfältige Weise eingesetzt werden kann.
Wie
haben Sie diesen Spagat geschafft?
Wir haben für die Gestaltung der
Figuren eine Illustrationstechnik verwendet, die den Look von Holzschnittdrucken
aufgreift. In der Folge haben wir die ersten Ideen von Hand gezeichnet, sie in
einem weiteren Schritt in unserer Werkstatt per Siebdruck zu Papier gebracht
und anschließend weiter bearbeitet.
Zusätzlich zu den Figuren haben wir für
jedes Anzeigenmotiv auch noch einen eigenen Hintergrund gestaltet. Diese
sogenannte „Tapete“ sollte mit der Aussage des Plakats korrespondieren. Wir
haben beispielsweise ganz viele Internet-Abkürzungen für ein Motiv verwendet,
bei dem es um Rauchzeichen als einzig verbliebenes
Kommunikationstool geht.
Und
am Ende wurde dann „tapeziert“?
Ja,
nach dem Fertigungsprozess haben wir alle Materialien in ein Auto gepackt und
uns auf den Weg von Hamburg nach Berlin gemacht, um dort die Drucke an
geeigneten Orten im öffentlichen Raum anzubringen. Dort haben wir mit Kleister
die ausgeschnittenen Figuren und Motive unter Anderem an Wände am
Alexanderplatz, beim Velodrom und bei der Kulturbrauerei aufgeklebt. Die
Hintergründe haben wir vor Ort per Hand in die gewünschten Formen gerissen.
Auch hier echte Handarbeit – und darum geht es bei der Kampagne ja nun auch ein
bisschen.
Welche
handwerklichen Fertigkeiten haben Sie bei der Entwicklung der Kampagnenmotive
selbst benötigt?
Unsere Arbeit ist im besten Sinn
handwerklich: Wir müssen kreativ sein, immer die besten Lösungswege finden. Und
dabei auch den Umgang mit unserem Werkzeug beherrschen, von klassischem Gerät
bis zum Hightech.